Über Freundschaften, Instagram und das rechte Licht

Die sozialen Netzwerke sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gegenwart geworden und wir kommen nicht drum herum zuzugeben, dass sie unseren Alltag auch wesentlich beeinflussen.

Geprägt durch das exzessive Auftreten von Selfies, der Veröffentlichung mehr oder weniger persönlichen Statusnachrichten und der Möglichkeit überall, auch ungefragt, unsere Meinung kund zutun, gelten wir schon lange als Generation „Ego“.
Ich publiziere mich. Ich rücke mich in dieses oder jenes Licht. Ich inszeniere mich als besonders sportlich oder modebewusst oder weltoffen. Ich teile mein Leben, meine Meinung, mein Mittagessen, meine persönlichen Probleme, meine gekaufte Einschätzung, meinen Lieblingsbleistifthersteller mit allen, die es hören wollen (oder halt auch nicht).

Ich möchte mich da nicht ausschließen. Als ich mit Instagram angefangen habe, war ich in einer grauen französischen Kleinstadt gefangen und habe mich von morgens bis abends mit meinem Studium beschäftigt. Ich dachte mir, wenn ich mir einen kreativen Ausgleich suche, der weniger zeitaufwendig ist als das Schreiben, dann könnte ich meine Zeit dort auch mehr genießen. Ich wollte für mich bewusst das Leben zwischen Heimweh und Leistungsdruck in ein schönes Licht rücken. Es ging da wirklich erstmal nur um mich.

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Ziemlich schnell habe ich aber festgestellt, dass man vor allem Instagram für viel mehr nutzen kann. Wenn man „egozentrisch“ sein möchte, dann kann man das und das ist auch ok. Man muss es aber nicht und das ist was viele oftmals gar nicht sehen.
Es hat in etwa 6 Monate gedauert bis ich das erste Mal durch Instagram Briefkontakt mit einer Bloggerin hatte, die ich erst ein einhalb Jahre später das erste Mal persönlich getroffen habe und mit der ich heute immer noch befreundet bin.

Mittlerweile habe ich so viele tolle, tolle Mädchen allein über Instagram kennen gelernt, dass es mir selbst manchmal unheimlich ist.
Mit ein paar von ihnen habe ich täglichen Kontakt, mit anderen nur ab und zu und trotzdem würde ich sie als „Freundinnen“ bezeichnen.
Oft wird aufgeführt, dass man für eine richtige Freundschaft Erlebnisse teilen muss.  Ich kann meine Treffen mit manchen der Mädchen bisher an einer Hand abzählen oder habe manche in den ersten zwei Jahren unseres Kontaktes einfach gar nicht gesehen. Das heißt für mich aber nicht, dass sie mir deswegen weniger ein guter Freund sind, wenn ich einen brauche.

Ob ich jetzt alleine nach Berlin gezogen bin und niemanden zu Beginn kannte; ob ich zufällig mit Einer gleichzeitig auf einer griechischen Insel hing und wir uns verabredet haben; ob Eine dringend eine Übernachtungsmöglichkeit in Köln gesucht hat; ob Eine zufällig gleichzeitig mit mir nachts um 3h nicht schlafen konnte; ob wir einfach nur die selbe Haarfarbe gemein zu haben schienen; ob wir uns nicht getraut haben alleine zum Konzert unserer Lieblingsband zu gehen und irgendwie zufällig festgestellt haben, dass es der anderen genauso geht oder ob ich vergessen hatte für meinen Umzug Klopapier zu kaufen und Eine Sonntags mit drei Rollen zum Wohnungsstreichen vorbei gekommen ist. Alles schon passiert. Alles Mädchen, die ich erstmal nur über Instagram kannte. Alles jetzt Freundinnen.

Natürlich sind Menschen, die du schon eine halbe Ewigkeit kennst und mit denen du noch Grundschulerinnerungen teilst, nicht ersetzlich. Aber ich finde, man ist durch diese neuen Bekanntschaften einfach reicher. Mehr ehrliche Meinungen, mehr schöne und traurige Teilhabe am Leben anderer, mehr liebe Gesten, mehr Healthy-Eating-Schuhrabatt-Shopping-Geheimtipp-Austausch, mehr „Ich habe auch grad ein Kilo Schokolade gegessen und heute Mittag aber ein Salatbild gepostet, also fühle dich nicht so schlecht“-Nachrichten, mehr Übernachtungsmöglichkeiten in fremden Städten, mehr wir, weniger ich.

Was ich mit dem ganzen hier sagen will: Generation „Ego“ mag in den sozialen Medien seine Berechtigung haben. Man kann aber aus dem „Ego“ auch ein „Wir“ machen. Und zwar ein „Wir“, dass Instagram neben Selfies und „Ist meine Jacke nicht schön“ zu einem Austausch wird, der über „Ach und die Jacke gibt es da und da im Sale“ hinaus gehen kann.
Und das ist für mich die wahre Stärke der sozialen Netzwerke. Dass sie mir die Möglichkeit bieten Menschen kennen zu lernen, die mein Leben unheimlich inspirieren und denen ich ansonsten wahrscheinlich niemals über den Weg gelaufen wäre.

Natürlich ist das Leben an sich auf Instagram immer noch in ein rechtes Licht gerückt. Aber manchmal ist es einfach tausend mal schöner, zu wissen, dass man Freundinnen hat, die dir dabei helfen, dass dein Leben auch wirklich oder umso mehr in genau diesem Licht erstrahlt. Und das eben nicht nur auf Bildern. Egal woher man sich kennt.
Lebenslichteinfängerin dieser Fotos: Foxografie . Carolina, Fuchsmädchen, Münster-Rendez-Vous, Lieblings-Nostalgie-Instagramaccount, Kaffeetante, Süße-Tüten-Testerin, Mitfahrgelegenheit im schönsten Auto der Welt und neue Freundin. Danke

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xoxo,

Euer Puderzuckermädchen

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5 comments on “Über Freundschaften, Instagram und das rechte Licht

  1. So wahre Worte! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so in Instagram aufgehen werde, Ich bin eher der Typ „Bloß-nicht-auffallen-und-nachher-denkt-noch-einer-du-bist-so-ein-möchtegern-selbstverliebter-aufmerksamkeitshaschender-oberhonk“. Aber das habe ich abgelegt und bin dank Insta schon so wundervollen Menschen „begegnet“, die ich niemals so kennengelernt hätte. Ich bin jetzt auch gar nicht mehr die Komische, die immer ein Buch dabei hat, sondern ich weiß jetzt, dass ich nicht alleine damit bin :D Ich wünsche mir jetzt für dieses Jahr, das ich den einen oder anderen netten Mensch aus Insta persönlich kennenlernen kann und selber auch mehr aus meinem Schneckenhaus heraus komme! Viele Grüße und Kaffee und Kokos-Schoki in den Puderzuckerhaushalt

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  2. Juhuuuuuuu JUUUUHUUUUUUU das will ich auch! Was mach ich falsch? Ich möchte auch ne Instagram Freundin die mir ein „nett gemeint“ unter einen ehrlich-bissigen-Kommentar unter mein Selfie schreibt auf dem ich einfach … Scheisse aussehe, alt, fertig, versoffen, oder noch schlimmer: Muttihaft.
    Ich suche auch eine Instagram Freundin die mir ein Herzchen, nen Daumen, nen starken Arm, alle drei Affen Emojis unter Bilder aus der Uni, ausm Urlaub oder spiessig ausm Garten postet.

    Ich will auch…. Snief… Was mache ich falsch? MUAGH

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